
Bosch bringt im November 2026 zwei neue 18-Volt-Wärmebildkameras auf den Markt. Das Spitzenmodell EXPERT EXTC18V-650-17C kombiniert einen Infrarotsensor mit 384 × 288 Pixeln, einen Messbereich von -30 bis +650 °C und einen rechnerischen „AI Image Boost“. Entscheidend ist, was davon echte Sensordaten sind – und was eine vom Hersteller beschriebene Bildoptimierung ist.
Was gesichert ist
Die EXPERT EXTC18V-650-17C ist laut Bosch die erste Wärmebildkamera des Unternehmens für das Professional 18V System. Sie ist außerdem in die herstellerübergreifende AmpShare-Akkuallianz eingebunden. Wer bereits kompatible 18-Volt-Akkus besitzt, kann damit grundsätzlich dieselbe Akkuplattform für Werkzeug und Messtechnik verwenden. Welche Akkus und Ladegeräte im konkreten Lieferumfang stecken, muss aber bei der gewählten Variante geprüft werden.
Der Infrarotsensor arbeitet nativ mit 384 × 288 Pixeln. Bosch nennt einen Temperaturbereich von -30 bis +650 °C. Die österreichische Produktübersicht führt außerdem eine IR-Messgenauigkeit von ± 2,0 °C und eine Auflösung von 0,1 °C an. Beide neuen Modelle – die EXPERT EXTC18V-650-17C und die darunter positionierte PRO GTC18V-600-16C – sollen ab November 2026 erhältlich sein.
Was „AI Image Boost“ tatsächlich bedeutet
Der Name klingt zunächst nach einem leistungsfähigeren Sensor. Bosch beschreibt jedoch einen zweistufigen Vorgang: Zuerst nimmt der Sensor das Wärmebild auf. Wird der AI Image Boost aktiviert, analysiert ein trainiertes Modell das eingefrorene Bild und berechnet daraus eine optimierte Fassung mit der vierfachen Anzahl an Messpunkten.
Die native Sensorauflösung bleibt dabei 384 × 288 Pixel. Die zusätzlichen Messpunkte sind also das Ergebnis einer nachgelagerten Berechnung und keine nachträglich hinzugekommenen physischen Sensorelemente. Bosch spricht in Kombination aus hoher Sensorauflösung und aktiviertem Boost von einer bis zu achtfach höheren Messpunkt-Dichte gegenüber der PRO GTC18V-600-16C. Das ist eine Herstellerangabe; eine unabhängige Vergleichsmessung liegt uns nicht vor.
Für die Praxis kann eine feinere Darstellung bei der Suche nach kleinen Temperaturunterschieden hilfreich sein. Sie ersetzt aber nicht die richtige Emissionsgradeinstellung, einen geeigneten Messabstand und die fachliche Interpretation des Wärmebilds. Wer Entscheidungen über elektrische Anlagen, Dämmung oder Maschinenzustände trifft, sollte daher nicht allein auf ein optisch schärfer wirkendes Bild vertrauen.
Bedienung, Dokumentation und Datenübertragung
Die EXPERT-Kamera besitzt ein 4,3 Zoll großes Touchdisplay und lässt sich alternativ über ein Joypad bedienen. Bis zu fünf zusätzliche Messpunkte können direkt am Bildschirm gesetzt werden. Bilder lassen sich laut Bosch im Gerät bearbeiten und mit einer Sprachnotiz versehen. Das erleichtert die Zuordnung, wenn mehrere Schaltschränke, Räume oder Maschinen nacheinander geprüft werden.
Für die weitere Dokumentation überträgt die Kamera Daten per WLAN an die Bosch ThermalOn App. Alternativ ist die Übertragung über USB-C auf einen Computer möglich; Bosch nennt dafür zusätzlich die kostenlose GTC Transfer Software. Damit richtet sich das Gerät klar an Anwender, die Messbilder nicht nur ansehen, sondern strukturiert speichern, weitergeben oder in Berichte übernehmen müssen.
Baustellentauglichkeit und zusätzliche Messmöglichkeiten
Das Gehäuse ist nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Bosch gibt an, dass die Kamera Stürze aus bis zu zwei Metern Höhe übersteht. Eine integrierte Typ-K-Schnittstelle ermöglicht außerdem Kontaktmessungen mit passenden externen Temperaturfühlern. Das erweitert den Einsatz über die reine berührungslose Oberflächenmessung hinaus.
Als typische Anwendungen nennt Bosch die Kontrolle von Schaltschränken und elektrischen Verbindungen, die Suche nach Heizungsrohren oder Leckagen, die Überwachung von Maschinen, die Kfz-Diagnose und die Analyse von Gebäudehüllen. Diese Beispiele zeigen auch die Zielgruppe: Das Gerät ist keine einfache Wärmebildkamera für gelegentliche Heimwerkeraufgaben, sondern ein professionelles Mess- und Dokumentationswerkzeug.
EXPERT oder PRO – und was kostet der Einstieg?
Neben der EXPERT EXTC18V-650-17C kündigt Bosch die PRO GTC18V-600-16C an. Die österreichische Produktübersicht nennt für das PRO-Modell einen Messbereich von -20 bis +600 °C. Für die EXPERT-Ausführung werden -30 bis +650 °C ausgewiesen. Die unterschiedliche Modellbezeichnung steht damit nicht nur für eine andere Ausstattung, sondern auch für verschiedene technische Grenzen.
Am 9. Oktober 2026 listet Bosch Österreich beide Modelle als „bald erhältlich“. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt dort bei 2.664 Euro für die EXPERT EXTC18V-650-17C und bei 2.049 Euro für die PRO GTC18V-600-16C – jeweils ohne Mehrwertsteuer. Das sind Hersteller-UVPs, keine bestätigten österreichischen Straßenpreise. Händlerpreis, Liefertermin und Lieferumfang können abweichen.
Unsere Einordnung
Der wichtigste Fortschritt ist nicht das Schlagwort KI allein, sondern die Kombination aus höher aufgelöstem Sensor, großem Display, Dokumentationsfunktionen, 18-Volt-System und optionaler Bildoptimierung. Wer regelmäßig thermische Auffälligkeiten dokumentiert und bereits mit dem Bosch Professional 18V System arbeitet, bekommt damit ein schlüssig integriertes Werkzeug.
Für seltene Kontrollen ist der Preis dagegen hoch. Vor einer Bestellung sollte geklärt werden, welche kleinste Struktur in welchem Abstand tatsächlich erkannt werden muss, ob Kontaktfühler gebraucht werden und wie die Bilder später dokumentiert werden. Auch die Akkuplattform ist nur dann ein Vorteil, wenn passende Akkus bereits vorhanden sind oder ohnehin angeschafft werden. Einen Überblick zur Einordnung von Akkuspannung findest du in unserem Ratgeber Warum 18 Volt fast immer reichen.
Was das für dich heißt
Wenn du die Kamera für professionelle Elektro-, SHKL-, Gebäude- oder Maschinenanalysen einsetzen möchtest, vergleiche vor allem native Sensorauflösung, Messbereich, Dokumentationsweg und Lieferumfang. Behandle den AI Image Boost als zusätzliche rechnerische Darstellungshilfe, nicht als Ersatz für saubere Messbedingungen. Da Bosch die Markteinführung erst für November ankündigt, ist es sinnvoll, die endgültigen österreichischen Händlerangebote und die Bedienungsanleitung vor dem Kauf abzuwarten.
Geprüfte Quellen
Technik, AI Image Boost, Robustheit, Datenübertragung, Anwendungsfelder und Marktstart stammen aus der offiziellen Bosch-Presseinformation vom 29. September 2026. Österreichische Messbereiche, Messgenauigkeit, Verfügbarkeitsstatus und UVPs wurden am 9. Oktober 2026 in der offiziellen Bosch-Professional-Produktübersicht für Wärmebildkameras geprüft.
Primärquelle: Bosch Media Service – EXPERT EXTC18V-650-17C · 29. September 2026
Zweitquelle: Bosch Professional Österreich – Wärmebildkameras · 9. Oktober 2026
